Miami Night - Urban Cinema

Erika Anna Schumacher - Fotografie
Autorin: Anke Schmich

Ausstellungsansicht Coelner Zimmer, 2016

In den Werken der Fotografin Erika Anna Schumacher spiegeln sich ihre Reisen nach Afrika, Indien und Asien sowie Nord- und Südamerika wieder.

Sie sind von einem emotionalen Grundtenor geprägt, der an die Gemälde eines Edward Hopper oder auch an die Bilder nächtlicher Tankstellen von Benjamin Nachtwey erinnert.

Die Künstlerin selbst beschreibt mit einem sehr treffenden Satz ihre Arbeitsweise folgendermaßen: "Ich lese Städte und Momente, wie ein Surfer eine Welle liest." Mit dieser recht poetischen Diktion formuliert sie eine Allegorie ihrer Motivsuche, ihren künstlerischen Prozess des Suchens und des Auf-sich-zukommen-Lassens.

Um in der Metapher zu bleiben, ist zu konstatieren, dass sie sehr oft die "perfekte Welle" erwischt und - um den Liedtext von Juli zu bemühen "den Moment in dem sie bricht..." - also genau den Moment, in dem die Aussage des Bildes den Höhepunkt, die Klimax des Geschehens, erreicht.

Fotografie ist naturgemäß immer nur ein einziger festgehaltener Moment, so wie die Gegenwart schon in der nächsten Tausendstelsekunde zur Vergangenheit degradiert wird.

Und doch fixiert Erika Anna Schumacher hier mehr als einen Moment. 

Sie drückt nicht nur auf den Auslöser, sondern fixiert ihre Bilder in Erwartung des "richtigen, perfekten Moments", in dem sich Spiegelungen, Reflexionen, Überlagerungen und motivische Konstellationen in einer fotografischen Komposition ergeben, die ihrer narrativen Bildaussage entspricht.

Auf diese Weise verdeutlicht sie mit der Kamera die Spuren urbanen Lebens und bereitet sie für den Betrachter visuell auf.

Schicht für Schicht erkundet die Künstlerin Besonderheiten eines bestimmten Augenblicks und sucht nach den Facetten der Geschichte, die für den Betrachter von Bedeutung sind.

©Erika Anna Schumacher, Miami Night - Urban Cinema, 2016 Detail  

Erika Anna Schumachers Fotografien aus der neuen Serie Urban Cinema / Miami Nights erinnern tatsächlich an das Flair eines städtischen Kinos:
Die von Licht und Schatten geprägten Nächte in Miami weisen starke Hell-Dunkel-Kontraste auf, nur vereinzelt erscheinen Menschen in ihren Bildern, die im wahrsten Sinne des Wortes "Filmstills" ähneln.

Der Film des nächtlichen Treibens steht wahrhaftig still.

Und auch das Bild wird still.

In der Stille offenbart sich der Moment des Nachdenkens, der gedanklichen Reflexion.

Das Fragmentarische solcher Szenen lässt das Vorherige erahnen und das Zukünftige vermuten - doch eine Sicherheit "so und so war es und so wird es gleich sein" gibt es für den Betrachter nicht.

Die geheimnisvolle, dunkle Autobahnunterführung löst beispielsweise Unbehagen, wenn nicht sogar Angst aus, dennoch löst sich der Blick des Rezipienten nicht von den Lichtern und spiegelnden Flächen des nassen Untergrundes.

Der Betrachter wird das Geheimnis wohl nicht lüften, egal wie sehr er sich anstrengen mag, das Rätsel der Erzählung zu lösen.

Erika Anna Schumacher ist ganz offensichtlich beeinflusst von der Sinnlichkeit der Malerei und dem Szenischen des Films.
So gelingt es ihr in stimmungsvollen Bildern "die visuelle Dichte der Städte und persönliche Momente", wie sie selbst es formuliert, eindrucksvoll zu dokumentieren.

Erika Anna Schumacher sucht und findet die Farben der Nacht, die magisch aus dem Dunkel hervortreten und uns in ihren Bann ziehen.

Das punktuelle Leuchten der unterschiedlichen Lichtquellen in den Straßen, die Spiegelungen in Glasscheiben und regennassen Straßen inspirieren die Künstlerin immer wieder aufs Neue. Die Dunkelheit verhüllt Details und gebiert gleichsam ein szenisches Lichtspiel in mehreren Akten.

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